Rezensionen

Blur – Midlife: A Beginner's Guide To Blur

Es war so Mitte der 90er Jahre, ich war gerade frisch gebackener Teenager, bei mir sprossen die ersten Pickel und ich begann erstmals mich ein wenig über den Musik-Geschmack meiner Eltern hinaus mit Pop-Musik zu beschäftigen. Von einem gewissen Musiksender, der sich damals auch noch damit beschäftigte, erfuhr ich von einer wiichtigen Schlacht des Brit-Pop. Die zwischen Blur und Oasis nämlich, zum Release ihrer neuen Alben „The Great Escape“ und „(What’s The Story) Morning Glory“ und der Vorab-Singles „Country House“ und „Roll With It“. Ich entschied mich damals für Blur, auch wenn ich inzwischen „(What’s The Story) Morning Glory“ nach „Different Class“ von Pulp für den 90er Jahre Brit-Pop-Klassiker schlechthin halte. Dennoch, Blur erschienen mir viel smarter und charmanter, zumal sie im Gegensatz zu den Gebrüdern Gallagher niemandem HIV an den Hals wünschten. Der Pop-Appeal ihrer Musik hatte auch gerade ihren Höhepunkt erreicht, dass ich ein paar Jahre später so etwas wie Emo hören würde war mir ja noch nicht klar. Ich entdeckte also Blur für mich und damit auch die Tatsache, bereits die zwei brillanten Alben „Modern Life Is Rubbish“ und „Leisure“ und ihr bis dahin bestes, nämlich „Parklife“ verpasst zu haben. Aber ich war 1995 auch gerade einmal 12, das dürfte als Entschuldigung reichen.

Seitdem verband mich mit Blur also eine große Liebe und ich sehnte jedem Release entgegen. Ich hatte einen perfekten Zeitpunkt erwischt, denn der stilistische Wechsel, den die Band ab 1995 durchlebte setzte sich auch in meinem Musikgeschmack fort, auch wenn ich 1996 mit „Blur“ die Band beinahe nicht wieder erkannte. Mit dem 1999er „13“ waren Blur dann auf der Höhe ihres Songwritings und es schien, als könne die Band dem nichts mehr drauf setzen. Eine Einschätzung, die sich auch leider als wahr erweisen sollte, denn was folgen sollte waren nur ein erstes „Best Of“ und das durchwachsene „Think Tank“ mit ein paar tollen Singles und bereits ganz ohne Graham Coxon. Die Nachricht er hätte sich mit Damon versöhnt und die Band plane ein Comeback entfachte meine Liebe zu Blur wieder auf ein Neues, auch wenn die Hoffnung auf Deutschland-Konzerte eher vergebens zu sein scheint. Im Fahrwasser des Comebacks schickt Blur’s Label nun ein neues Best Of ins Rennen, das nennt sich „Midlife: A Beginner’s Guide To Blur“ und versucht einen Einblick in inzwischen 20 Jahre Bandgeschichte zu geben. Trotz 2 CD’s kann es dennoch nur ein „Beginner’s Guide“ sein, der aber dennoch viele Stärken besitzt. Eine ist der Verzicht auf die chronologische Reihenfolge der Songs, man merkt den Machern deutlich an, dass ihnen eine dramatisch nachvollziehbare Tracklist wichtig war. Das ist auch gelungen, denn ein Song wie „Out Of Time“ schließt einfach perfekt an die Stimmung aus dem Band-Klassiker „Coffee & TV“ an. Auch die Platzierung von „Bugman“ direkt nach „Song 2“ ist ein echter Glücksgriff. Eine weitere Stärke ist die Hinzunahme von Album-Tracks, die nie das Glück hatten als Single veröffentlicht zu werden. Songs, wie „Strange News From Another Star“ und „Trimm Trabb“ erfahren hierdurch ihre Würdigung. Das dürfte den Blur-Entdecker, was die meisten der heutigen Indie-Jugend sein werden, dazu anregen, sich auch mit der Diskografie dieser Band und dem Schaffen von Albarn über die Gorillaz hinaus zu beschäftigen. Einziges Manko an den 2 CDs, für Blur-Fans ist diese Zusammenstellung völlig witzlos, denn alle Songs sind bereits auf den Alben veröffentlicht, es gibt also nichts Neues zu entdecken. Als Playlist in iTunes macht sie sich dennoch ganz gut und zum Schwelgen in Jugenderinnerungen sowieso.

Rating: ★★★★½
Blur

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