Rezensionen

Bloc Party – Four

Bloc Party - Four

Dass Bloc Party auch im Mainstream angekommen sind, dachte man ja eigentlich schon seit ihrem Debüt „Silent Alarm“. Nicht etwa, weil sie mit aller Macht einen Sound boten, der möglichst Massenwirksam war, sondern weil ihr Song „So Here We Are“ recht schnell in einer Telekom-Werbung auftauchte. Zumindest seit ihrem zweiten „A Weekend In The City“, mit dem sie es in den britischen, amerikanischen und deutschen Charts mindestens bis in die Top 10 schafften, gehörte die Band zu den Großen. Auf jeden Fall neben Franz Ferdinand zur Spitze der 2005er Welle neuer britischer Bands. Einen kleinen Rückschlag mussten sie vor vier Jahren allerdings mit ihrem dritten Album „Intimacy“ hinnehmen. Die Chart-Platzierungen waren noch ok, die Rezensionen aber größtenteils durchwachsen.

Vier Jahre nach „Intimacy“ ist die Band nun also mit ihrem vierten Album „Four“ zurück. Die Band stand in den Jahren anscheinend kurz vor dem Ende, alle Mitglieder versuchten sich mit Soloprojekten. Besonders Kele Okereke, der mit „The Boxer“ und „The Hunter“ ein Album, bzw. eine EP veröffentlichte, die nur mit teilweiser Begeisterung aufgenommen wurden. Den größten Presserummel erzielte er dabei noch mit seinem Outing als Homosexueller.

Die sexuelle Orientierung ihres Frontmannes spielt glücklicherweise beim Release von „Four“ keine Rolle (warum auch?) und die Band wird nur nach ihrer Leistung beurteilt. Geht man nach dem, was man derzeit von der Band mitbekommt, scheint sie in der Szene nach wie vor fester Bestandteil. So sieht man ihr Albumcover derzeit in Supermärkten, Kneipen und Clubs auf Beck’s-Flaschen neben Labels des großartigen Anton Corbijn und so fragwürdigen Künstlern, wie Skandal-Nudel M.I.A., den Reggae-Langweilern von SEEED und dem Hipster-DJ Boys Noize. Man könnte der Band nun einen Ausverkauf vorwerfen, aber der kommt etwas zu spät, haben sie einen ihrer Songs doch schon dem Riesenkonzern Telekom hinterher geschmissen. Hinzu kommt, dass Bands heutzutage größtenteils von anderen Einnahmen als dem reinen Plattenverkauf leben. Wir loben die Band dann also lieber für clevere Vermarktung, auch wenn das Umfeld ihrer Werbung zwischen den genannten Künstlern (Anton Corbijn einmal außen vor) schon diskussionswürdig ist-

Vier Jahre haben Bloc Party also gebraucht, bis ihr viertes Album endlich zu haben ist. Ganz pragmatisch haben sie es also „Four“ genannt. Kreativer zeigt sich die Band da schon vom Sound her. Oder ähnlich pragmatisch? Auf jeden Fall deutlich konsequenter als noch auf dem Vorgänger. Die Marschrichtung lautet nun nämlich größtenteils: Rock! In temporeichen Nummern rocken sich die mit einer gewissen rotzigen Note durch die erste Songs ihres Albums. Sänger Kele hängt sich wunderbar rein und liefert mit seiner Band Stücke, mit denen man sich den Kopf erstklassig frei rocken kann. Erst bei „Real Talk“ nimmt die Band etwas das Tempo zurück und lädt zum Zurücklehnen ein, während sich die Band ein wenig eingroovt. Mit „Kettling“ folgt eine Nummer, die so auch zum rockigen Teil auf „Intimacy“ gepasst hätte. Viel Neues bietet sie deshalb auch nicht, sondern einfach nur Bloc Party, die in fast vier Minuten ein Gitarren-Riff nach dem anderen jagen. „Day Four“ bietet dann den ersten richtigen Höhepunkt auf „Four“. Eine dieser herrlich zurückgenommenen Bloc Party Nummern in bester „So Here We Are“ Tradition, die zum Träumen einlädt.

Überhaupt liefert der Mittelteil des Albums neben vielen rotzigen Rotzmomenten die stärkste Phase von „Four“. Die Band traut sich hier an ein paar kleinere Experimente und versucht sich mal an tanzlastigeren Nummern, wie „V.A.L.I.S“ und elektronisch angereicherten Stücken, wie „Truth“. Die Songs, bei denen die Band die die Fans einlädt, die Faust in den Himmel zu recken und kräftig in die Saiten haut bieten zwar auch eine gewisse Unbeschwertheit, allerdings fehlt ihnen das Element, mit denen Bloc Party zeigen, warum diese Songs unverzichtbar in ihrem Katalog sind. Rocksongs der Band gab es in der Vergangenheit nämlich schon genügend und so verlaufen sich die Rocknummern etwas in purer Belanglosigkeit, da es häufig nur so scheint, als würde die Band des Krachs wegen etwas härter klingen. Eine wirkliche Notwendigkeit erschließt sich nicht, da Bloc Party gerade mit Mid-Tempo-Nummern wie „The Healing“ eine tolle Atmosphäre erzeugen, die den Hörer gefangen nimmt und zum schwelgen einlädt. Zum Freirocken und zwischenzeitlichen Träumen bietet „Four“ dennoch genügend Material und zeigt Bloc Party eine Spur konsequenter und zwingender als noch auf „Intimacy“.


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Discussion

  1. […] Freitag wohl der bisher wichtigste Release-Tag des Jahres sein. Mit dem vierten Bloc Party Album “Four”, Get Well Soon’s drittem Album “The Scarlet Beast O’Seven Heads”, sowie den […]

    Posted by Wild Nothing – neues Album “Nocturne” im Stream | WhiteTapes | August 21, 2012, 2:15 pm

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