Rezensionen

Black Rust – The Gangs Are Gone

Zwei Jahre ist es nun her, dass das zweite Album von Black Rust namens „Medicine & Metaphors“ das Licht der Welt erblickte. Seitdem hat sich natürlich Einiges getan bei den fünf Ahlenern. So hatten sie unter Anderem die Ehre Open Air vor Tausenden von Menschen in Indien spielen zu dürfen. Eine Reise ans andere Ende der Welt, die die Band mit Sicherheit geprägt hat.

Black Rust selbst bezeichnen ihren Stil bescheiden als „traurige Männermusik“. Das klingt natürlich wesentlich interessanter als Begriffe wie Americana, Folk oder Sonstiges. Und wie sollte es auch anders sein: Die Traurigkeit schwingt natürlich auch im dritten Werk der Fünf wieder mit.

„The Gangs Are Gone“ beginnt schwermütig mit der gleichbetitelten Single-Auskopplung. Ein Song, der zumindest für mich erst nach mehrmaligem Hören seine ganzen Facetten entfaltet hat. Das dazugehörige Musikvideo von Horst Herz ist wirklich unglaublich, vor allem, wenn man die momentane Situation der Welt dabei im Hinterkopf hat.

Zunächst geht es erst ein Mal ruhig weiter mit Black Rust, wie wir sie kennen und lieben, bis sie beim dritten Song „Back To Where I Started“ so ziemlich genau zur Hälfte ordentlich Gas geben. Und wieder ein Mal gelingt es mir noch eine neue Facette von den Jungs zu entdecken. Sie haben halt auch eine rockige Seite. Es ist beeindruckend, wie sie es immer wieder aufs Neue schaffen, die vielen Instrumente und Stile zu wunderbar harmonierenden Songs zu verweben. Immer wieder wechseln sich ruhige Balladen und schnellere Songs ab, die für mich wie eine bunte Mischung aus Blues, Jazz, Pop, Folk und Rock klingt. In eine Schublade kann man die Jungs mit ihrer Musik auf keinen Fall stecken.

Ein Highlight des Albums erwartet uns beim siebten Song. Der hört auf den Namen „Waiting“, besticht durch sein zartes Mandolinenspiel und durch den Kontrast von fließenden Strophen um einen regelrecht tosenden Refrain.

Auffällig ist, dass sich das Album gegen Ende immer mehr steigert. Es wird schneller, intensiver und eindringlicher. So schließt „Rain/Roses“ perfekt an „Waiting“ an und schafft eine tolle Überleitung zum zweiten Sahnehäubchen auf „The Gangs Are Gone“. Denn dann folgt ein Titel namens „These Days“, der zumindest musikalisch einfach nur gute Laune verbreitet, während der Text einen sprachlos und nachdenklich auf sich selbst zurückwirft. Man weiß gegen Ende des Titels und des Albums eigentlich nicht mehr so recht, ob man nun lediglich ausgelassen tanzen möchte oder lieber weinend in der Ecke sitzen will.

Und weil’s so schön war, folgt ein Hit ja bekanntlich dem nächsten. Mit „Having Panic About A New World War“ beschließen Black Rust wieder ruhig, traurig, aber dafür umso intensiver ihr drittes Werk. Live konnte ich die Gänsehaut bei diesem Titel wirklich nicht zurückhalten und genauso ergeht es mir jetzt jedes Mal beim Hören der CD.

Und wer denkt, das war’s schon, hat sich geirrt. Es folgt ein Hidden Track, der Black Rust Fans der ersten Stunde besonders erfreuen wird. So viel sei verraten: Die Jungs spielen den Titel normalerweise immer abseits der Bühne mitten im Publikum. Und genauso eine Anmutung hat auch der Sound des Hidden Tracks auf der Platte… Gott sei Dank. Häufig wird so ein Titel durch- und damit totproduziert, aber hier stimmt einfach alles.

Viele Bands wollen unbedingt ein Konzeptalbum kreieren und beginnen dann auf Teufel-komm-raus passende Songs zu produzieren. Das Endergebnis stimmt dann vielleicht, liefert mir aber häufig eine Sache nicht: Herz und Leidenschaft. Beides steckt in diesem Album.

„The Gangs Are Gone“ handelt von der Suche nach sich selbst, nach Identität. Ein roter Faden durchzieht die Songs, da die Geschichte des vorangegangenen Titels im nächsten aufgegriffen und weitererzählt wird. Es ist fast wie in einer Art Buch. Jeder Song wirkt wie ein in sich geschlossenes Kapitel. Nach und nach entdeckt man dann den Zusammenhang und versteht letztendlich das komplette Buch als eine einzige Geschichte. Sänger und Gitarrist Jonas Künne erzählt so ehrlich und erwachsen von Dingen, die ihn beschäftigen, dass man ihm sein Alter fast nicht abkaufen möchte.

Der einzige kleine Störfaktor für mich ist die Stimme der Gastsängerin auf dem Album. Hier hätte ich mir doch ganz schlicht und einfach lieber Julians und Christophs Stimmen für den Background gewünscht. Ansonsten finde ich „The Gangs Are Gone“ wesentlich abwechslungsreicher, vielseitiger, tiefgründiger und komplexer als „Medicine & Metaphors“. Eine wirklich gelungene Fortsetzung, die den Jungs hoffentlich den verdienten Erfolg einbringen wird. Ich bin definitiv voller Freude und Erwartung auf alles, was in Zukunft noch von Black Rust kommen wird.

Rating: ★★★★½
Black Rust
Heute Abend ab 19:30 findet übrigens der Album-Release von „The Gangs Are Gone“ zusammen mit Tommy Finke im Dortmunder FZW statt. Alle Infos hier.


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