Rezensionen

Björn Kleinhenz – B.U.R.M.A.

Vor ein paar Wochen rief Björn Kleinhenz Rabbit-Share ins Leben, um mit den Einnahmen aus dem Mini-Album „Head Held High On Fearsome Pride“ die Kiefer-OP seines Kaninchens Humle zu bezahlen (wir berichteten). Diese kleine Aktion sollte natürlich nicht das einzige Lebenszeichen des Schweden sein, denn die Songs waren während der Aufnahmen zum Nachfolger seines dritten Albums „Quietly Happy And Deep Inside“ entstanden. Das steht nun auch in den Startlöchern und hört auf den Namen „B.U.R.M.A.“, was nichts mit dem ehemals Myanmar genannten Staat zu tun hat und auch nicht für „Bastel und Rauch mehr Alter“ steht, sondern eine Phrase amerikanischer Soldaten im zweiten Weltkrieg war, die ihren Frauen ihre Heimkehr mit den Worten „Be Undresses and Ready My Angel“ ankündigten. Björn Kleinhenz ist also ein alter Romantiker und als solcher hat er natürlich auch eine schöne Geschichte zur Entstehung des Albums.

Die ist dann sogar wirklich im weitesten Sinne romantisch. Zusammen mit seiner Freundin Yrsa und dem Kaninchen Humle verließ er nämlich für die nächsten 8 Monate, um in der kargen Landschaft der schwedischen Insel Farø neue Songs zu schreiben. Farø ist vor allem bekannt durch den Regisseur Ingmar Bergmann und zwei je knapp 1,5 km lange Seebrücken, welche die Insel mit den Nachbarinseln verbinden. In einem kleinen Haus, das er anmietete richtete er sich ein kleines Studio ein und setzte den bereits in Göteborg begonnenen Schreibprozess fort. Um sich das alles zu finanzieren arbeitete er in der Zeit als Müllmann, aber das ist wohl eine andere Geschichte. Von den Songs auf „B.U.R.M.A.“ wünscht man sich natürlich, dass ihnen die karge Abgeschiedenheit der kleinen Insel innewohnt. Und ja, sie spiegeln sie gekonnt wieder. Zunächst donnert das Album in seinem Opener „HAZ920“ los, wie tosende Wellen, die sich bei einem Sturm an den Küsten brechen. Tosende E-Gitarren und scheppernde Drums münden in eine sanft gezupfte Gitarre und halb gehauchten Gesang von Björn Kleinhenz. Das sind dann auch die Grundzutaten für die restlichen elf Songs, alle sind zumeist karg instrumentiert und leben nur durch die akustische Gitarre und den Gesang von Björn. Häufig trägt auch noch Freundin Yrsa durch ein wenig Background-Gesang ihren Teil zur Atmosphäre ein. Hinzu kommen dann noch allerlei verspielte Kleinigkeiten, wie rhythmisches Klatschen, oder Klopfen, Keyboardsounds und ein Schellenkranz. Die Kunst liegt hierbei aber im minimalen Einsatz aller Zutaten, so dass die Songs immer ihre zurückhaltende Atmosphäre behalten. Ein Album, das Kristofer Âström so leider schon lange nicht mehr hinbekommen hat, auf dem Björn Kleinhenz eine heimelige Atmosphäre zum unterm Birnbaum sitzen und träumen, oder auch nur zum aus dem Fenster schauen und den Schafen beim grasen zusehen erschafft. Ein idealer Begleiter für den kommenden Herbst also. Apropos Herbst, genau das ist auch die Jahreszeit, in der Björn auch auf Deustchland-Tour kommt, genau genommen ab dem 24. September, alle Termine findet ihr auch hier.

Rating: ★★★★½
Björn Kleinhenz
Video zu „Poets Dying“

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