Rezensionen

Beirut – Mach Of The Zapotec / Realpeople – Holland

Laut Mathematik-Unterricht ergeben zwei Halbe immer gleich ein Ganzes. Zach Condon’s neue Doppel-EP setzt diese Regel außer Kraft, denn „March Of The Zapotec / Holland“ ist gleich ein doppelter Gewinn für seine Fans, versammelt Condon hier doch gleich zwei Seiten seines Schaffens, die erste Hälfte Stücke mit seinem Projektnamen Beirut, die er mit einer mexikanischen Folk-Band aufgenommen hat und minimalistische Songs unter seinem zweiten Projektnamen Realpeople. Mit den sechs Beirut Songs hat sich Condon gleich auch noch einen großen Wunsch erfüllt, schon immer wollte er Stücke mit einer traditionellen mexikanischen Bläsertruppe aufnehmen. Also machte er sich auf in die Region Oaxaca im Süden Mexiko’s und traf dort die 19-köpfige Jiminez Band, die ihm mit vollen, karnevalistisch (in Mexiko feiert man zwar nicht Karneval, sondern den Día de Muertos, die Idee ist aber ähnlich) und melancholischen Bläsersätzen unterstützte, die Condon mit seiner Ukulele untermalt.

Dabei treffen Beirut-typische Klagelieder auf verschrobene Instrumental-Stücke und Condon kann abermals seinen Status als King Of Gipsy-Pop festigen. Die zweite Hälfte der EP unter dem Pseudonym Realpeople gestaltet sich dann um einiges experimenteller. Elektronische Samples treffen auf tänzelnde Keyboard-Sounds und Condon’s unverwechselbar klagenden Gesang. Stücke, die von ihren 80ies Elektro-Pop Arrangements eigentlich nicht gegensätzlicher zu Beirut-Songs sein könnten, dadurch aber einen umfassenden Überblick über das songwriterische Geschick Condon’s geben. Gerade die sphärischen Gesänge erreichen die gleiche Intensität, wie die Beirut’schen Chöre und man bekommt ein Bild davon, was Condon zwischen Burn-Out und Absage von Europatourneen so zu Hause treibt. Bei „The Concubine“ gesellt sich dann noch das Akkordeon zum Elektrosound und die Verknüpfung zwischen beiden EP’s scheint geschaffen. Spätestens hier kommt auch die Gewissheit, dass Realpeople kein neues Experiment von Condon ist, sondern die meisten Stücke schon lange vor seinen Ausflügen als Beirut entstanden sind, denn gerade erwähntes „The Concubine“ klingt wie ein Frühchen aus den Aufnahmen zu „Gulag Orkestar“. Auch „No Dice“ unterstreicht diese Gewissheit, die der „Holland“-EP dann noch zusätzliche Tiefe verleiht und sie zu einem zusätzlichen Gewinn macht. Hier sind 0,5 + 0,5 also gleich 2, gut dass Condon im Mathe-Unterricht nie aufgepasst hat.

Video zu „La Llorana“

httpv://www.youtube.com/watch?v=hlZMa3dS1LQ

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