Rezensionen

Beat!Beat!Beat! – Lightmares

Was gibt es Schöneres als sich bei diesem nassen, trüben Herbstwetter einfach mal zurückzuziehen, um sich voll und ganz der Musik hinzugeben. Dafür geben uns die Viersener von Beat!Beat!Beat! mit ihrem Debütalbum einen wirklich guten Grund. Mit ihrem Erstlingswerk versprechen uns die Jungs keine Nightmares, sondern Lightmares. Welch ein wundervoller Gedanke. Ein Wort, das unbedingt in den englischen Sprachschatz aufgenommen werden sollte.

Bekannt geworden sind mir Beat!Beat!Beat! mit „Fireworks“, der in meinem Lieblingsclub rauf und runter lief… Irgendwann damals, als noch kaum jemand oder beinahe niemand den Namen Beat!Beat!Beat! überhaupt kannte. Ein Song zum ausgiebigen Tanzen, der richtig gute Laune verbreitet.

So war ich doch beim ersten Hören des Albums etwas enttäuscht, was aus den Titeln „Fireworks“ und „You’re Designer“ geworden ist. Ein „Beat!“ des dreifachen Ausrufes können wir seit der Veröffentlichung ihrer Stars EP vor einem Jahr also gedanklich streichen. Aber… das ist gar nicht so schlimm wie ich dachte.

Bereits mit den ersten Klängen von „Hard to cherish“ entführen uns die Jungs in eine Welt mit einer leicht trüben Grundstimmung aber mit dennoch aufmunternden Klängen, die perfekt zur Stimmung des aktuellen Herbstwetters passen. Die Stimme von Sänger Joshua schmiegt sich klar um die Klänge der Synthies und Gitarren. Ein Album für alle, die den Sommer noch nicht ganz aufgegeben haben.

An zweiter Stelle folgt „We are waves“, der vielleicht dem ein oder anderen schon bei einem sogenannten Musiksender mit einem schon recht Boygroupmäßigem Video mit nassen Hemden aufgefallen sein dürfte. Aber da ist ja noch die Farbe, die das Ganze schon wieder sympathisch für bereits über 20-jährige macht. Die Frohnatur der Viersener zieht sich weiter über den Song „Graveyard“ hinweg.

Und dann tauchen wir ein – in die Trübe von „Lightmares“. Als nächstes erwartet uns „You’re Designer“, den ich inzwischen in der Albumversion sehr ins Herz geschlossen habe. Hier dominieren Synthies, verzerrte Gitarren und die etwas verzweifelt klingenden Ausrufe von Sänger Joshua. In dieser Version passt sich der in der Demoversion doch noch etwas ruppige Song perfekt in das Konzept des Albums ein.

Raus aus dem dunklen, beklemmenden Designerraum, ab an die Luft, unter den freien Himmel, denn hier finden wir „Stars“, eine schöne, ausgereifte Indie-Rock-Nummer. Leichte, verspielte Gitarrenklänge leiten uns weiter zum Song „Too short to bide“, der vermutlich jedem Hörer an dieser Stelle ein zufriedenes Lächeln aufs Gesicht zaubern dürfte. Eine kleine Hymne an das Leben.

Leider folgt nun mit „Bravery“ ein etwas unvorteilhafter Song, der mehr Potential hätte, wenn dem Refrain nicht irgendwie das gewisse Etwas fehlen würde. Die Strophen machen nämlich Lust auf mehr. Da ist also noch durchaus Etwas ausbaufähig. Im Moment ist dieser Titel für mich ein Beweggrund, die Forward-Taste meiner Fernbedienung zu betätigen.

Bei „Fireworks“ werden dann schnell wieder die Tanzschühchen geschnürt. Obwohl der Song in der Albumversion an Tempo und Energie verloren hat, verursacht er trotzdem ein deutlich spürbares Zucken in den Füßen und animiert selbstverständlich dennoch zum Mitsingen. Für mich immer noch, nach all der Zeit, ein perfekter Song für die Tanzfläche.

Etwas ruhiger geht es weiter mit „I see glisten“, denn so langsam aber sicher nähert sich unser Lightmare dem Ende. Den Abschluss findet der Lichtertraum mit „Lightheavy Rapture“, der die ruhige Atmosphäre des Albums aufgreift. Und… es gibt ja noch einen Hidden Track, der Beat!Beat!Beat! mal von einer ganz anderen Seite zeigt. Hier schmeicheln sanfter Gesang und eine Akustikgitarre den Ohren. Von „Beat!“ ist da eigentlich gar nichts mehr zu spüren. So was können sie also auch, die vier. Mir gefällt’s.

Insgesamt ein wirklich sehr gelungenes Album, das die Songs der bereits bekannten Stars EP in neuem Licht erstrahlen lässt und jeden neuen Hörer verzaubern dürfte. Der Vergleich mit den Foals, der immer wieder von allen möglichen Menschen angestellt wird, entzieht sich ehrlich gesagt meines Verständnisses. Ja, es gibt ähnliche Elemente, aber wo die Foals doch mit einer etwas leidenden Stimme und druckvollerem Sound voranpreschen, schaffen es Beat!Beat!Beat! einen eigenständigen, fröhlichen Indiesound mit glockenklarer Stimme zu vermitteln, der auch den kleinen Altersunterschied und den unterschiedlich großen Erfahrungsschatz der beiden Bands unterstreicht.

Für mich ist „Lightmares“ ein sehr gelungenes Debütalbum, mit dem ich ehrlich gesagt nicht gerechnet hätte.

Rating: ★★★½☆
Beat!Beat!Beat!
Beat!Beat!Beat! auf Tour

18. Oktober, Jena, Rosenkeller
20. Oktober, Erlangen, E-Werk
21. Oktober, A – Wien, Flex (supporting: The Cinematics)
22. Oktober, München, Atomic Café (supporting: The Cinematics)
23. Oktober, CH-Aarau, Kiff
24. Oktober, Gießen, MuK
29. Oktober, Dortmund, FZW – VISIONS Westend Indoor
10. Dezember, Berlin, C-Halle – Fest van Cleef
11. Dezember, Mainz, Phönixhalle – Fest van Cleef
12. Dezember, Bielefeld, Ringlokschuppen – Fest van Cleef

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