Rezensionen

AUTOBAHN – Dissemble

AUTOBAHN – Dissemble

Auch, wenn der Name es andeutet, bei AUTOBAHN handelt es sich keineswegs um eine deutsche Band. Vielmehr nutzen die fünf Musiker aus Leeds ein Stilmittel, das schon viele Bands aus ihrem Genre vor ihnen bei der Namenswahl nutzten. Darunter zum Beispiel Vorreiter der Neuen Deutschen Welle und des Kraut-Rock, wie Ideal, Kraftwerk und Neu!, oder auch die britischen Legenden von Bauhaus. Damit wäre das Soundspektrum von AUTOBAHN auch schon in etwa abgesteckt, denn die fünf Mannen widmen sich mit immenser Hingabe einer vor Referenzen strotzenden Mischung aus New Wave, Kraut-Rock, Post-Punk, Goth und Madchester-Sounds und bringen einiges mit, um Fans von Bands wie Siouxsie and the Banshees, Spandau Ballet, Cocteau Twins, Joy Division und eben Bauhaus (von denen ein AUTOBAHN Bandmitglied auf Pressebildern sogar ein T-Shirt trägt) nachhaltig zu begeistern.

AUTOBAHN sind seit 2013 aktiv und veröffentlichten seitdem 2 EP’s. Ihr Debüt „Dissemble“ erscheint auf dem britischen Label Tough Love Records, wo sie neben Kollegen wie Weird Dreams (beeinflusst von den Beach Boys und David Lynch Filmen) und der Post-Punk-Truppe Girls Names die perfekte Label-Heimat gefunden haben.

„Dissemble“ beginnt recht untypisch mit fast einer Minute andauernden Drums, die dann von düsteren, krachenden Gitarren und rotzigem Gesang übertönt werden. „Missing In Action“ kracht, scheppert, ist düster und gibt die Richtung für den weiteren Verlauf des Albums vor. Bei „Immaterial Men“ schenken sich AUTOBAHN dann auch gleich das Intro und man ist gleich im Geschehen. Ein düsterer Post-Punk-Sound gepaart mit tiefer, leicht aggressiver und vor allem depressiver Gesangsstimme und dunklen Klangteppichen nimmt den Hörer gleich gefangen.

AUTOBAHN setzen dort an, wo sich The Horros nach ihren ersten beiden Alben „Strange House“ und „Primary Colours“ einem anderen Sound zugewendet haben, zeigen sich als düsterere und vielsagendere Alternative zu den leicht oberflächlichen Eagulls und etwas zugänglicher als Iceage. Das ermöglicht Hits, wie das düster-rotzige „Impressionist“, das mit seinem treibenden Rhythmus und dem wohl dosierten Gesangseinsatz, eine gewisse Dringlichkeit in sich trägt. Oder auch das wunderbar düstere „Beautiful Place To Die“, das an die 80er-Jahre-Remineszenzen von 2005er Bands, wie The Departure und Boy Kill Boy erinnert und diese einzigartig selbstmitleidige Stimmung erzeugt, wie es sonst nur Grunge-Rock der 90er beherrschte. Mit dem 4-minütigen Rocker „Society“ rotzen AUTOBAHN dann auch noch ein wenig Gesellschaftskritik heraus, ohne sich bei amerikanischem College-Rock oder dem Klischeesound von Rage Against The Machine zu bedienen. Das macht „Dissemble“ zu einem Album, das zwar vor Referenzen geradezu strotzt, aber deshalb keinesfalls ein Abklatsch irgendeines Sounds ist. Vielmehr zeigen AUTOBAHN damit, wie zeitlos musikalische Größen der 80er sind und wie relevant sie in der richtigen Mischung auch heute noch sein können.

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