Rezensionen

Aufbau West – Schüsse in Öfen (EP)

Aufbau West? Müsste das nicht eigentlich Ost heißen? Inzwischen ist es wahrscheinlich wirklich eher anders herum. Was bleibt ist die eben gestellte Frage… Und mit dieser steht man schon irgendwie ganz schön dumm da. Ach so, Aufbau West ist übrigens eine Band.

Sie sagen dazu: pseudo-politisch. Ich sage dazu: Aufbau West, Mann!

Im Februar diesen Jahres feierte das Quartett aus Münster und Geseke bei Paderborn ihr Livedebüt in meinem Lieblings-Amp. Ein paar Songs schienen dem einen oder anderen Besucher ihrer Show trotz ihrer Livepremiere doch geläufig zu sein. Komisch, da sie doch vorher so ein Mysterium aus sich machten. Einige Textfragmente erinnerten stark an Flo Walzer, der Sänger sieht ihm auch verdammt ähnlich, aber der Sound ist aber definitiv völlig anders.

Ist Aufbau West etwa Flo Walzer? – Ja?! Nein! … Nicht wirklich. Aufbau West sind düsterer, weniger romantisch und auf gar keinen Fall Singer-Songwriter. Der Mann am Mikrofon ist allerdings tatsächlich Flo Berres, also: Flo Walzer.

Im Studio saß kein Geringerer als Dennis Scheider an den Reglern. In gewisser Hinsicht kann man das schon ein wenig heraushören. Flo Berres singt aber eigentlich wie sonst auch: emotional. Er spielt mit Phrasen und Redewendungen und scheint die deutsche Sprache nicht so ganz ernst zu nehmen. Was bleibt ist eine Prise Ironie. Weshalb mir in dem Zusammenhang doch tatsächlich immer wieder der Name einer meiner Lieblingsbands in den Sinn kommt – Mikroboy, die gerade ein erstklassiges Album auf den Markt gebracht haben.

Kann ich einen Vergleich zwischen den beiden Bands anstellen? Nicht wirklich. Irgendetwas erinnert mich an Michi Ludes und Co, aber man darf nicht vergessen, wie viele Jahre die Band Mikroboy schon auf den Bühnen dieser Welt unterwegs ist. Aufbau West ist neu.

Ausschlaggebend ist für mich eine gewisse Sympathie, die sich die Vier mit Leichtigkeit und Ehrlichkeit bei ihrem Publikum erspielen. Dank der Band, die Flo Walzer, der ehemalige Singer-Songwriter, nun im Rücken hat, klingt der Sound einfach vollständiger. In Jendrik Leismann und Martin Kuntze hat er Verstärkung aus der Umgebung von Münster gefunden. Die Beiden dürften Einigen aus der Besetzung der letzten Jahre der Indierock-Band Just us and Jonas ein Begriff sein. Pascal Möller, der zu Flo-Walzer-Zeiten immer den Beat vorgab, war auch bei den EP-Aufnahmen noch beteiligt. Seit noch nicht allzu langer Zeit ist allerdings Sebastian Gödde (Ex-Aerobatics) für den Rhythmus der Band verantwortlich.

Auf der EP erwarten den Hörer fünf Songs, die sich zumindest in meinem Kopf seit dem Release so festgesetzt haben, das ich sie nahezu täglich in meiner Playlist habe.

„Zeit zu Verstehen“ ist für mich das absolute Highlight der Miniplatte, aber auch „Bockweizen“ schafft es sich charmant ein riesiges „GEFÄLLT“ zu erschleichen. „Vom du und ich (Die Leiden)“ und „Zwischen Schnauze voll und halb so wild“ waren ehemalige Flo Walzer Songs, die ich in der neuen Variante gerade erst für mich entdecke. Irgendwie klingen sie gut, obwohl ich sie auch in der leichteren, poppigeren Flo-Walzer-Variante, sehr mochte.

Für alle Neuentdecker dieser Band, dürfte das keinerlei Probleme verursachen. Und deshalb denke ich: „… das waren mehrheitlich Schüsse in Öfen…“ – Haha! Scherz… Ich hoffe nicht!

Tolle Band. Tolle erste Eindrücke. Tolle EP. Ich versuche sie einfach neu zu sehen. [FORMAT C:].

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