Rezensionen

Arctic Monkeys – Humbug

Um den Druck, den die Arctic Monkeys bei den Aufnahmen zu ihrem dritten Album „Humbug“ verspürt haben müssen, wird sie wohl niemand beneiden. Aber sie selbst gingen damit ganz selbstsicher um, schließlich konnten sie mit „Favourite Worst Nightmare“ bereits dem Debüt „Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“, das mit den meisten Verkäufen eines Debüt-Albums in der Woche nach dem Release einen Rekord aufstellte und der Band eine Nominierung für den Mercury Award bescherrte, noch eins drauf setzen. Das Album ging wie sein Vorgänger auf Platz 1 der britischen Charts, Besonderheit hier war, dass jeder der zwölf Songs in den Top 200 der britischen Single-Charts landete. Zwei Jahre sind nun seit dem zweiten Album vergangen, Verschnaufpausen gönnten sich die inzwischen gerade einmal durchschnittlich 23 Jahre alten Arctic Monkeys kaum. Allen voran Alex Turner, der zusammen mit Miles Kane ein Album als The Last Shadow Puppets veröffentlichte. Kurzum, die Arctic Monkeys müssen sich auch mit Album Nummer 3 wieder beweisen, dafür holten sie sich niemand geringeres als Queens Of The Stone Age Fronter Josh Homme für den Produzentensthul.

Ein Einfluss, der auf „Humbug“ unüberhörbar ist, es gibt viele dumpfe Bassläufe, ein paar Gitarrensoli, man denkt an Spaghetti-Western und Stoner-Rock. Direkt im Opener „My Propeller“ wird das ganz deutlich, der Song ist wuchtig und dunkel aber auch ungewohnt dicht. Indie-Disco im Stil von „I Bet You Look On The Dancefloor“ geht anders, aber gab’s ja bei den Arctic Monkeys ja auch schon. Im Vergleich zu diesem ersten Hit wirkt die Vorab-Single „Crying Lightning“ dann sehr erwachsen und gereift, die Milchbubi-Indie-Rock-Attitüde mit schnellen Rhythmus-Wechseln der ersten beiden Alben, bei denen Hook auf Hook folgte ist größtenteils einer wohlüberlegten Struktur gewichen, bei der die Band sich auch einmal Zeit lässt den Song aufzubauen und nicht direkt zum Refrain hetzt. Das steht gerade der Single gut zu Gesicht und darf auch als Erfolgsrezept für „Humbug“ verstanden werden. Aber da ist natürlich nicht nur der Stoner-Rock des Josh Homme, auch der Pop, dem Alex Turner mit The Last Shadow Puppets gefröhnt hat, bekommt mehr Raum. So präsentiert sich „Cornerstone“ als hübsch zurückgelehntes Pop-Kleinod mit stimmigem Orgel-Einsatz. Sehr atmosphärisch zeigt sich die Band auch beim ruhigen „Dance Little Liar“ mit anfänglich spärlicher Instrumentierung, die sich zu einem beinahe bombastischen Ende hochschwingt. Am stärksten zeigen sich die Arctic Monkeys auf „Humbug“ dann allerdings, wenn es ihnen gelingt die Stärken der Vorgänger mit den neu erworbenen Einflüssen zu vermengen, etwa im munter daher rockenden „Pretty Visitors“ mit zackigem Rhythmus und gekonnten Tempowechseln. Das liefert nach knapp 40 Minuten die Erkenntnis, dass die Arctic Monkeys bei Album Nummer drei wieder vieles richtig gemacht haben und scheinbar verdientermaßen als eine der größten jüngeren britischen Indie-Rock-Bands gelten. Einzig die zeitlose Note, mit der sich die Arctic Monkeys auch etwas aus ihrem Zeitgeist heraus heben und den Songs eine höhere Halbwertszeit verleihen würde fehlt noch, aber die können sich die Jungs ja noch erarbeiten, schließlich sind sie gerade einmal Anfang 20.

Rating: ★★★★☆
Arctic Monkeys
Arctic Monkeys – Crying Lightning Official Video

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