Rezensionen

Apparat – Krieg und Frieden (Music for Theatre)

Apparat - Krieg und Frieden

Eigentlich wollte der Wahl-Berliner Sascha Ring so schnell nach „The Devil’s Walk“ kein neues Album veröffentlichen. Schließlich hatte er sich schon lange mit seinen Kumpels von Modeselektor darauf geeinigt, bald wieder das Projekt Moderat wieder zu beleben. In der Zwischenzeit arbeitete er zusammen mit Theater-Regisseur Sebastian Hartmann an einer freien Interpretation des Leo Tolstoi Klassikers „Krieg und Frieden“, zu dem Ring neue Kompositionen beisteuerte. Nach den Aufführungen ließen diese Kompositionen den Vollblut-Musiker nicht los und er setzte sich noch einmal dran, verfeinerte sie, reicherte sie an und fasste sie zum Album „Krieg und Frieden (Music for Theatre)“ zusammen.

Wie der Kontext als Theaterproduktion schon vermuten lässt, ist das Album eindeutig in einer anderen Soundwelt anzusiedeln, als das bisherige Schaffen von Apparat. Bei den Songs von „Krieg und Frieden“ handelt es sich ursprünglich um Begleitmusik zur Aufführung. Die ist beim Hören aber natürlich nicht da und so stehen die Songs nun für sich, ohne von der Darstellung von Schauspielern auf der Bühne gestützt zu werden.

Und das kann man Ring attestieren, die Songs schaffen es tatsächlich für sich zu stehen. Die Übertragung von Soundtrack zu eigenständigem Album dürfte ihm also gelungen sein. Inwiefern er die Stücke dafür nach den Aufführungen noch angepasst hat, ist uns leider nicht bekannt. Das Ergebnis aber und das kann sich hören lassen. Ring erschafft hier langsam wabernde Klangbilder, die ruhig und luftig durch den Raum wabern. Zunächst rein instrumental und mit extremer Dichte. Bei „LightOn“ singt Ring dann aber auch. Mit Kopfstimme begleitet er zunächst spärliche Instrumentierung, die durch immer weitere Soundschichten angereichert wird. Gegen Ende nimmt das Stück dann etwas Fahrt auf, Synthiesounds wabern und ein Beat dröhnt dazu ein wenig. Abrupt lässt Ring das Stück abbrechen und es mit hintergründigen Sounds ausklingen. Der Gesang bleibt aber die Ausnahme. Wie der Opener „44“ wandeln die Songs luftig durch den Raum, Soundschichten werden übereinander getürmt und plötzlich wieder abgebaut. Das ergibt Songs, die einen vielleicht nicht so direkt fesseln, wie die Stücke auf „The Devil’s Walk“, dennoch bieten sie ihre ganz eigene Faszination, die ein spannendes Hörerlebnis erschafft.

Krieg und Frieden (Music For Theatre) – A Conversation with Apparat from Mute on Vimeo.

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