Rezensionen

Antony & The Johnsons – The Crying Light

cryingSchon mit seinem letzten Album „I Am A Bird Now“ haben Antony & The Johnsons, oder ganz genau genommen Antony Hegarty, Maßstäbe gesetzt für die Popmusik als Kunstform. Vordergründig durch perfekt abgestimmte, sanft orchestrale Pop-Arrangements, die durchweg von Hegarty’s einzigartiger Falsettstimme lebten. Unter diesen Vorzeichen und vor allem, da die Musikpresse das neue Album „The Crying Light“ durchweg erneut als episches Meisterwerk und Meilenstein für die Popmusik feiert, wollten wir nichts überstürzen und stellen euch dieses Album erst heute vor. Und mal ehrlich, so toll ist „The Crying Light“ gar nicht. Warum wird er dennoch so gefeiert? Da ist zunächst diese exotische Geschichte von einem leicht dicklichen Mann, der sich laut eigener Aussage als Frau fühlt, dazu kommt natürlich Hegarty’s Gesangsstil, der in der heutigen Musikwelt sicherlich seinesgleichen sucht.Am allerwichtigsten sind dann noch die Themen, die Hegarty behandelt, die sind nämlich hochintelektuell und bedienen sich klassischer Gedichte, liefern Querverweise auf die Geschichte, auf das Seelenleben des Sängers und auf „The Crying Light“ insbesondere den Klimawandel, die Umweltverschmutzung, bzw. die Einflussnahme des Menschen auf die Natur.

Insbesondere die Themen, die der Sänger behandelt rechtfertigen durchaus die Lobpreisungen, auch die Arrangements sind für sich sehr gelungen. Der Schwachpunkt ist allerdings, dass gelungene Geigenarrangements und Klaviereinsätze viel zu häufig hinter dem Gesang Hegarty’s zurückstecken müssen. Es ist durchaus richtig, sich auf seine Stärken zu konzentrieren, die im Falle Hegarty’s eben diese Stimme ist, leider erfolgt diese Konzentration auf die Stärken zu sehr. So wirkt „The Crying Light“ über große Längen mehr wie eine Demonstration des gesanglichen und stimmlichen Talents Hegarty’s, als wie der ernst zu nehmende Versuch ein Popalbum mit sanften und tief bewegenden Songs, wie „I Am A Bird“ vorzulegen. Der Falsett wird so stark in den Vordergrund gerückt, dass sich etwa das vierminütige „Another World“ auf einen jammernd jaulenden Hegarty beschränkt, der von ein paar Klavierklängen begleitet wird. So etwas kann mitreißen, nur wirkt es auf „The Crying Light“ mehr nach Eitelkeit, oder diplomatischer ausgedrückt, als hätte Hegarty nichts gewagt, sondern sich lieber auf die sichere Seite begeben. Stücke, wie „Daylight And The Sun“, bei denen die Instrumentierung auch mal etwas Luft bekommt und in den Vordergrund rücken darf, „Aeon“ mit einer geschickt eingesetzten Gitarre und der Closer „Everglade“, in dem Geigen und ein Klavier sanft das Album beschließen geben dann glücklicherweise noch eine andere Seite des Albums wieder, die zumindest etwas versönlicher stimmt. Als Fazit bleibt, so toll ist „The Crying Light“ gar nicht, aber das Feuilleton lebt nun einmal von Exoten und auf Album Nummer vier kann Antony Hegarty ja wieder alles richtig machen.

Video zu „Another World“

httpv://de.youtube.com/watch?v=K-qThnGw_64

Myspace // Label

P.S.: Wer nun eine Alternative zum neuen Antony & The Jonsons Album sucht, der höre einfach das Album „The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own“, das stammt vom Hamburger Songwriter Patrick Zimmer, besser bekannt als finn. Hier treffen auch sanfte Arrangements auf eine einzigartige Stimme, nur gestaltet es sich dort mitreißender.

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