Rezensionen

Anni Rossi – Rockwell

Gerade erschienen, ist Anni Rossis Debutalbum „Rockwell“, eine der interessanteren aktuellen Platten. Vor allem bestimmt durch das Violaspiel und die Stimme, der 23-jährigen Amerikanerin, nimmt ihre Musik besonders prägnante Formen an. Spannung ist vor dem Hören des Albums geboten, denn wo sonst erlebt man wie es klingt, wenn Steve Albini ein Ace of Base Cover produziert? Anni Rossi ist wohl eine der Personen bei denen die aktive Musik schon immer ein Teil des Lebens war. Mit drei Jahren begann sie mit dem Geigen und später wurde dann zur Viola gewechselt. Das sie mit diesem eher klassischen Instrument auch Musik machen kann, die ein breites, pop-interessiertes Publikum anspricht, durfte sie beweisen als sie mit den Ting Tings durch Europa tourte. Nach ihrer EP „Afton“ steht nun also Anni Rossis erstes Album im Regal.
Rockwell beinhaltet 10 Stücke zusammen noch nicht einmal eine halbe Stunde lang und dennoch wirkt das Album an sich rund.

Herausstechend ist bei einem ersten Reinhören natürlich die Wahl der Instrumente: Bratsche, Cello und Schlagzeug, sowie die ungewöhnliche Stimme und der experimentelle Gesangstil Anni Rossis. „Machine“ ist der Eröffnungstrack der Platte und als solcher gut gewählt. Denn das folkige und poppige und vor allem die etwas andere instrumentale Besetzung wirken nicht nur eingängig sondern auch einladend, das Angebotene weiter zu verfolgen. Die poppigeren Töne werden insgesamt allerdings nur von wenigen Stücken weitergeführt. „The West Coast“ wäre hier vielleicht noch zu nennen, welches besonders interessant die Möglichkeiten der Bratsche aufzeigt. Dabei bleibt es aber so schön schräg, dass der Charme und die Freude an dem Lied nicht verloren geht. Besonders in den Wechseln vom lauten Mittelteil zum ruhig gewählten Beginn und Schluss, bringen Spaß und Variationen. Auch zu den eingängigeren Stücken des Albums gehört jenes besagte Ace of Base Cover „Living in Danger“. Wie auch immer Anni Rossi auf die Idee gekommen sein mag dieses Lied aufzunehmen, es funktioniert! Am Ende ist es sogar eines der Highlights des Albums und, zugegeben, ein guter Song der sich ohne Probleme in die selbstgeschriebenen Stücke einfügt. Andere solcher, nicht zu unterschätzender, Lieder sind „Deer Hunting Camp 17“, „Wheelpusher“ und „Air Is Nothing“. Beide brauchen vielleicht mehrere Hördurchgänge als die zuvor genannten Stücke um ihren vollen Charme zu entfalten, aber das Interesse schaffen sie dennoch hoch zu halten. Leider fallen „Las Vegas“, „Venice“ und „Glaciers“ hier ein wenig ab. Musikalisch bestimmt gut, geht ihnen trotzdem das Einladende verloren. Dies macht sie nicht zu schlechten Liedern, verlangen dem Hörer aber doch einige Arbeit ab. Insgesamt ist Anni Rossi mit Rockwell also ein wirklich gelungenen Debut gelungen, dass es durch seine interessanten und experimentellen Ansätze schafft Aufmerksamkeit zu wecken. Reinhören vorm Kauf ist allerdings ein muss, denn experimentell bedeutet im selben Atemzug ja meist auch sehr speziell.

Video zu „Wheelpusher“

httpv://www.youtube.com/watch?v=1Qi07Nr5Fcg

„Rockwell“ gleich hier im Stream:

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