Rezensionen

Andrew Bird – Noble Beast

„Noble Beast“ ist Andrew Bird’s mittlerweile elftes Studioalbum, sein fünftes ohne seine Band Bowl Of Fire und sein erstes, das in Europa über Bella Union / Cooperative Music vertrieben wird. Viele Zahlen, die verdeutlichen, Andrew Bird ist in seinen 13 Jahren Karriere heimlich still und leise zu einer festen Größe der Songwriter-Szene geworden und auch ein großer Einfluss für viele Musiker, Owen Pallett schwärmte unlängst von der Zusammenarbeit mit Bird auf seinen EP’s und auch Patrick Wolf vergisst nie zu erwähnen, dass Andrew Bird für ihn ein Einfluss war, seinen Musikstil zu finden. Mit beiden gemein hat Bird auch, dass er begnadeter Violinist ist und seine Songs nie in das Schema klassischer Popsongs passen wollen. Mit „Noble Beast“ setzt Andrew Bird nun wie bereits auf den Vorgängern seine Reise in die Zurückgezogenheit seiner Farm südlich Chicago’s fort. Die Songs sind luftig und erblühen wie die auf dem Cover abgebildete Landschaft, schon der Opener „Oh No“ mit fröhlicher Pfeif-Melodie verarbeitet viele Einflüsse von 60er Jahre Popsong zu einem gut gelaunten Einstieg.

So geht sich das neue Werk von Andrew Bird beinahe eingängig an. Das angesprochene Pfeifen ist eines von Bird’s Markenzeichen und so beweist er natürlich auch in den restlichen Stücken auf „Noble Beast“ wieder, dass er besser Pfeifen kann als 99% der Menschheit. Neben diesem Pfeifen leben die Stücke vor allem von Bird’s unfassbar gekonnt eingesetztem Geigenspiel, mit dem er in Kombination mit Schlagzeug und E-Gitarre schöne Folk-Songs komponiert, die jeden Gemütszustand einzufangen wissen. Dabei stellt Bird auf „Noble Beast“ nicht die Lyrics als solche in den Vordergrund, sondern setzt auf den Effekt der Worte, zieht sie lang, reiht Silben aneinander und baut manche Zeilen nur ob ihres Klangs ein. Die Texte wirken dadurch beinahe kryptisch, wissen dennoch Bird’s Erkenntnisse und Geschichten über die Menschheit und den menschlichen Geist zu transportieren. Bird setzt dabei in allen Songs auf wahnsinnigen Detailreichtum, gerade in der Instrumentierung, da braucht es natürlich eine Weile alles zu entdecken, wodurch „Noble Beast“ zu einem kleinen Meisterwerk moderner Folkmusik wird. Modern nicht ob der Instrumentierung, aber sicherlich ob der Herangehensweise an das Songwriting, bei dem er gekonnt wie selten zuvor Buckley auf Dylan treffen lässt und alles mit Klassikelementen durchmischt. Aus dem durchgängig hohen Niveau der Songs wissen einige dennoch besonders heraus zu stechen, beeindruckend dabei zum Beispiel „Anonanimal“, bei dem sanftes Geigenspiel auf Wainwright’schen Gesang trifft. Die druckvolle Gitarre, die hier zusätzlich eingesetzt wird lässt auch „Not A Robot, But A Ghost“ hervor ragen. „Noble Beast“ ist ein Album wie Bird’s Songwriting, nicht von dieser Welt fängt er all das ein, was die Schönheit der Welt ausmacht und kanalisiert es auf 55 Minuten zu einem Album, das gute Chancen hat sich in den Jahresbestenlisten ganz weit oben wieder zu finden.

Album-Stream bei 3voor12

Live-Video zu „Anonanimal“

httpv://de.youtube.com/watch?v=-FpA77S7r7c

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