Rezensionen

A Fine Frenzy – Bomb In A Birdcage

Auch wenn es Tendenzen geben soll, die uns einer völlig ignoranten und negativen Haltung gegenüber Popmusik mit Radiotauglichkeit vorwerfen, hören auch wir mal gern Musik mit genau diesem Einschlag. Voraussetzung dabei ist aber, dass in der Musik irgendwas passiert und das Ergebnis nicht in völliger Belanglosigkeit selbstgefällig vor sich hinplätschert. Radiopop mit Anspruch also, wenn man es so überspitzt formulieren möchte. Genau solchen legte Alison Sudol im letzten Jahr mit „One Cell In The Sea“, ihrem Debüt-Album als A Fine Frenzy vor. Zuckersüßer Piano-Pop mit schöner Stimme vorgertragen und dennoch abwechslungsreichen Melodien, meist getragen von einer tiefen und berührenden Melancholie.

Ein Rezept, dass perfekt zündete und Alison nicht zuletzt dank des Übersongs „Almost Lover“ zum Durchbruch verhalf. Statt aber als Zweitling nur einen einfachen Abklatsch des ersten Erfolgsalbums zu liefern, wie es viele Künstler aus dem Genre Radiopop nur zu gern tun, orientiert sich Alison Sudol lieber etwas um. Die Tendenzen dazu waren auch bereits auf ihrer Tour im Herbst / Winter des letzten Jahres zu hören, als sie einige neue Stücke mit im Gepäck hatte. Die zeigten sie nämlich alles andere als melancholisch, sondern fröhlich vor ihrem Mikro hin und her hüpfend. Eines dieser neuen Stücke war „Blow Away“, das nun auch gleich einmal zur ersten Single erkoren wurde. Der Song kommt mit fröhlicher Popmelodie und Mitklatsch-Rhythmus daher, keine Spur von der zerbrechlichen jungen Frau, die man noch bei „Almost Lover“ vermutete. Eine neue Seite, die gefällt und von deren guter Laune sich der Hörer nur zu gern infizieren lässt. Beinahe ganz ohne Klavier zeigt sie sich zudem im Opener „What I Wouldn’t Do“. Nur eine kurzweilige Gitarrenmelodie und ein paar Hand-Claps, zu denen Alison sich und die Hörer auf die kommenden Songs eingroovt. Klavierballaden mit großer Geste gibt es natürlich auch immer noch, etwa im Song „New Heights“, sie wäre ja auch bescheuert, ihre größte Stärke ganz auszulassen. So beweist Alison Sudol mit „Bomb In A Birdcage“ vor allem eines, sie ist nicht nur das hübsche Mädchen mit netten Piano-Balladen, sondern eine vollwertige Popkünstlerin, die ihr Handwerk versteht. Die sich nicht nur auf ihre Stärken verlässt, sondern auch einmal über den Tellerrand schaut und es wagt Dinge auszuprobieren, um so ein abwechslungsreiches und kurzweiliges zweites Album vorzulegen.

Rating: ★★★★☆
A Fine Frenzy
Video zu „Blow Away“

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