Rezensionen

2:54 – The Other I

2:54 - The Other I

Vor zwei Jahren traten 2:54, das Quartett um die beiden Schwestern Hannah und Colette Thurlow, erstmals auf den Plan und veröffentlichten ihr einfach „2:54“ betiteltes Debüt. Das Album zeigte eine Band mit ziemlich coolem und abgebrühtem Sound aus dichten Gitarrenwänden, die mit viel Liebe zum Detail aufgebaut wurden und zu denen die Band die Stücke langsam erwuchsen. In der Summe stilvolle Hymnen für Fans des 80er Jahre Shoegaze Revivals. Der Guardian beschrieb die Band seinerzeit als „a little bit grunge, a little bit shoegaze, with bursts of heavy riffing and the odd psychedelic meander“. Eine sicherlich gut gemeinte Beschreibung, auch wenn der Grunge doch recht weit hergeholt war. Dennoch, die positive Reaktion des Guardian zeigt schon, dass die Band durchaus Anklang fand und deshalb auch zurecht als Support von Warpaint, Wild Beasts, The Big Pink, The Maccabees, sowie The xx gebucht wurde und auch auf dem SXSW spielen durfte. Mit „The Other I“ ließ die Band jetzt ihr zweites Album folgen. Der Youtube-Stream von „Orion“ gab darauf bereits einen Vorgeschmack und zeigte eine Band, die immer noch bevorzugt mit Melancholie und dunklen Tönen spielt, ihre Songs aber ein wenig sphärischer klingen und mit weniger Gitarrenwucht erklingen lässt.

Referenzen gibt es dazu natürlich zahlreiche, die reichen bei „The Other I“ von School of Seven Bells über Zola Jesus, Woman’s Hour, The xx und Esben and the Witch bis hin zu Siouxsie and the Banshees. Also Sounds in bester Post-Punk Manier, mit düsterer Stimmung, dichter Atmosphäre und viel Hall auf der Stimme. Der Vorabtrack und Opener „Orion“ macht das schon ganz gut vor. Das Stück erwächst langsam, die Drums hallen dramatisch und die beiden Schwestern singen distanziert und mit einer gewissen Coolness. Die Gitarren sind jetzt eher Glanzpunkte und münden nicht mehr in schneidende Riffs. 2:54 bewegen sich auf „The Other I“ meist im mittleren Tempo durch ihr Album und reichern die langsam erwachsenden Stücke immer wieder durch dramatische Instrumental-Passagen mit aus dem Nebel hallenden Stimmen an.

Bei „Sleepwalker“ darf zwischendurch sogar ein wenig mehr gerockt werden und auch beim Rausschmeißer „Raptor“ gibt’s noch ein kräftigeres Gitarrenriff mit Plucker-Bass, zu dem 2:54 zu immer aufwühlenderer Stimmung „The End, The End Is Close“ singen. Aber hier ist das Ende ein neuer Anfang, denn mit „The Other I“ ist 2:54 ein Album gelungen, dass mit der Summe der Durchläufe immer weiter erwächst und zu fesseln weiß. Ein kleines, düsteres Juwel zum Ende des Releasejahres.


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