Rezensionen

23:23 – Drifter

23:23 - Drifter

In den letzten Jahren haben wiederholt Songwriter aus zwei Genres mit größerem Output auf sich aufmerksam gemacht. Auf der einen Seite wären da die ganz traditionellen Singer-Songwriter, unter denen es Vertreter gibt, die teils im Halbjahres-Takt neue Alben oder EP’s veröffentlichen. Aber auf das LoFi-Genre bringt Künstler hervor, die einen doch ziemlich großen Output haben. Da wäre zum Beispiel Dylan Baldi, der mit Cloud Nothings vier Alben in vier Jahren veröffentlichte, oder die britischen Mazes, die seit 2011 drei Alben auf den Markt brachten.

Rami Vierula, Frontmann der Delay Trees stellt allerdings beide in den Schatten. So veröffentlichte allein mit seiner Band seit 2009 EP’s „Soft Construction“ und „Before I Go Go“, sowie die drei Alben „Delay Trees“, „Doze“ und „Readymade“. Hinzu kommen die Veröffentlichungen seines Solo-Projekts 23:23, mit dem er seit 2011 die Alben „Everyday Aesthetics“, „Softest Wave etc.“ und „Torero“ sowie die EP „Dislo“ veröffentlichte. Das macht 9 Releases in fünf Jahren und mit dem vierten 23:23 Album „Drifter“ kam nun am 23. Oktober 2014 der zehnte hinzu.

Kritiker meinen bei einer solchen Releasewut gern, dass die Qualität der Songs automatisch darunter leidet und höchstens 25 % der Stücke was taugen können. Rami bewies aber in der Vergangenheit bisher das Gegenteil. Das kann auch am deutlichen Unterschied zwischen den Klangwelten seiner Projekte liegen. Wo Delay Trees sich durch einen ausgefeilt arrangierten Dream-Pop mit viel Weite und gefühlvollem Songwriting auszeichnen, bietet Rami mit 23:23 leicht verschrobene und häufig krachende LoFi-Sound mit zahlreichen Elementen aus Rock, Pop und Elektronik. Das ist auch bei „Drifter“ wieder der Fall und mit dem munter drauf los rockenden „American Graffiti“ geht’s auch wirklich vielversprechend los. Mit einer gewissen Rotzigkeit in der Stimme prescht Rami durch ein temporeiches Stück, das neben sägenden Gitarren auch verspielte Sounds bietet, die den Song wirklich unterhaltsam machen.

Das Tempo hält er dann allerdings erst einmal nicht aufrecht und bietet in der Folge mit „Teenage Wife“, „Stalker“, „Winona“ und „Tropicture“ Mid-Tempo-Nummern, die ein wenig leiern, teils mit Surf-Rock-Elementen daherkommen, aber nicht durchweg begeistern. Sie bieten einen Sound, der so verschlafen ist, wie die Bandinfo von 23:23 bei Bandcamp vermuten lässt, da heißt es nämlich „lo-fi music made at night“. Die etwas rockigeren Nummern, wie „Trouble“, „Never Gonna End“ und „Soon Better“ lassen einen aber sehr gern über die etwas schleppenden Elemente des Albums hinweg sehen, sodass wir gespannt sind, was es in einem halben Jahr dann wieder Neues von Rami gibt. Sofern er sein Releasetempo einhält, dürfte man nämlich spätestens dann wieder was von ihm hören.

Facebook // Tumblr

Discussion

Comments are closed.

Wir präsentieren: We Were Strangers auf Deutschland-Tour
Wir präsentieren: The Lake Poets auf Deutschland-Tour
Wir präsentieren: Clock Opera – auf Deutschland-Tour im April 2017

Archive