Rezensionen

1984 – Influenza

1984 - Influenza

Ganze fünf Jahre ist es im Oktober schon her, dass die Franzonsen von 1984 ihr Debüt „Open Jail“ veröffentlichten. Fünf Jahre sind eine lange Zeit für eine Band. In dieser Zeit erleben manche Musiker ihre gesamte Karriere und kehren wieder in ihr geregeltes Leben zurück. Andere Bands veröffentlichen in dieser Zeit sogar drei Alben und steigen immer weiter auf. 1984 haben in dieser Zeit natürlich auch einiges erlebt und durchgemacht. Sie durften 2010 durch China touren, veröffentlichten eine EP namens „Territory“ und nahmen einen Wechsel in der Besetzung vor.

Dass sie nun ein zweites Album veröffentlichen, haben sie wohl auch ihren Freunden und Förderern von Blood Red Shoes zu verdanken. Die bezeichneten das Trio bereits bei „Open Jail“ als eine ihrer Lieblingsbands und nahmen 1984 auch mit auf Tour durch England und Europa. Für „Influenza“ schlüpften Blood Red Shoes nun in eine ganz neue Rolle, sie übernahmen nämlich die Produktion des Albums. Kein Wunder also, dass Steven Ansell über das Album sagt: „That really is a fantastic album.“ Wäre ja auch seltsam, wenn der Produzent nicht hinter seiner Arbeit steht.

Ob er auch Grund dazu hat stolz auf das Werk zu sein, steht auf einem anderen Blatt Papier. Auf jeden Fall können Blood Red Shoes nicht leugnen, dass sie das „Influenza“ produziert haben. Die Stücke haben eine ähnliche Dringlichkeit, wie die Stücke des Duos, die Gitarrenarrangements und Drums klingen ähnlich und sogar bei den Gesangspassagen wartet man eigentlich immer auf den Wechsel zwischen Ansell und Carter. Den übernimmt dann meist Nicolini selbst, indem er die Stimmlage wechselt oder Unterstützung aus dem Background bekommt. Ob diese Parallelen dem Produzentenduo geschuldet sind oder ob die Bands einfach zu gut befreundet sind, können wir natürlich nicht beurteilen.

Anders als die Songs des britischen Duos gehen die Franzosen von 1984 nicht ganz so brachial vor und zeigen sich auch nicht so düster und gehetzt, wie noch auf dem Debüt. Fiebrig wie der Titel des Albums ist „Influenza“ also nicht. Die Stücke rocken meist im Mid-Tempo-Bereich daher und erzeugen eine unterhaltsame Atmosphäre. Das fühlt sich allerdings seltsam ungewohnt an, da 1984 von einer großen Dringlichkeit und sehr düsteren Sound lebten. Die Stücke sind nun ziemlich stark am heutigen britischen Indie-Rock-Sound orientiert. Wave-Referenzen sucht man vergebens. Ein paar Highlights gibt es aber dennoch gegen Ende des Albums. „I Don’t“ kommt mit schneidenden Gitarren daher und bietet einen Refrain zum Mitwippen. Das anschließende „Complain“ ist dann wohl das stärkste Stück des Albums. Hierbei handelt es sich um ein Duett mit Laura-Mary Carter, das ruhig beginnt und gegen Ende mit großer Geste und fetten Gitarren zu einer rockigen Powerballade anschwillt. Mehr solcher Momente hätten „Influenza“ sicherlich gut getan, so bleiben 1984 bei ihrem zweiten Album leider etwas blass.

1984 auf Tour

12. März 2013, Oberhausen, Druckluft
13. März 2013, Hamburg, Molotow
14. März 2013, Chemnitz, Atomino
15. März 2013, Dresden, Ostpol
16. März 2013, Berlin, Privatclub


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